360° KLANGWELT
  • 360° Klangwelt Augustusburg

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Idee & Standorte

Hoch oben auf dem 517m hohen Schellenberg ragt das Schloss Augustusburg empor. Dicht daneben prägt auch die 1845 erbaute Stadtkirche St. Petri die sichtbare Silhouette über viele Kilometer in sämtliche Himmelsrichtungen.
Nun, ab dem Jahr 2026, wird in der kulturellen Landschaft auf der „Krone des Erzgebirges“ ein europaweit einzigartiges Instrument sichtbar und hörbar. Die 360° Klangwelt Augustusburg. Eine Orgel, die verteilt auf sechs Standorte ein 360° Klangerlebnis möglich macht.
Die Orgelbauwerkstatt Alexander Schuke (Potsdam) erhielt 2023 den Auftrag; drei Jahre später wird das Instrument festlich geweiht.
Auch wenn der persönliche Besuch durch nichts zu ersetzen ist, soll diese Seite allen interessierten Menschen aus Nah und Fern einen kleinen Einblick in das große Baugeschehen ermöglichen.

Standort Süd | Die Hauptorgel

Die bereits 1896 fertig gestellte Hauptorgel aus der Werkstatt von Bruno & Emil Jehmlich bildet mit ihren 43 Registern die Basis für die Gesamtausrichtung in der Konzeption aller 6 Standorte. In seinem Erbauungsjahr galt das Instrument nicht nur als die größte Orgel Mittelsachsens, sondern es war auch in seiner Substanz, in Ausstattung und Mensuren ein Werk höchster Güte. Die große Palette an orchestralen Klangfarben, wie Flöten, Streicher, Oboe, Klarinette und Trompeten, ergänzen den orgeltypischen, hier in Sachsen immer noch durch Gottfried Silbermann geprägten, hellen Klang um viele abwechslungsreiche Farben im Mittelton-Spektrum. Doch auch die Bass-Lage ist mit vielen Abstufungen reichhaltig vertreten: So können die tiefen Töne von sanft-streichend bis kraftvoll-voluminös wundersam viele Charakteristiken abdecken.

Damit die Hauptorgel nun auch das Herzstück der sechsteiligen Orgelanlage bilden kann, stand die Umsetzung folgender fünf Maßnahmen auf der Agenda:

  • (1) Erweiterung des Tonumfanges
    Die saloppe Frage, wie viele Tasten eigentlich jede Klaviatur erhalten soll, ist in einem solchen großen Vorhaben eine sehr wichtige. Erfüllt man doch damit sehr wichtige Voraussetzungen dafür, ob eine Musik überhaupt aufgeführt werden kann. Gleichzeitig bedeutet jede zusätzliche Taste enorme bauliche Auswirkungen, da für jeden Ton ein Vielfaches an Pfeifen und Platz (Windlade, Traktur) eingeplant werden muss. Leider zählte die Orgel in Augustusburg 1896 zu den letzten Instrumenten, die einen vergleichsweise geringen Tonumfang vorwies. Im Zuge der Gesamtkonzeption entschieden wir uns, den Tonumfang im Pedal um drei Töne (C-f) und im Manual um sieben Töne (C-c4) zu erweitern. Damit entspricht der Tonumfang nun dem modernen internationalen Standard, sodass nicht nur die Musik aller Stilepochen interpretiert werden kann, sondern auch beste Voraussetzungen für Transkriptionen und Improvisationen geschaffen sind.
  • (2) Wiederherstellung der originalen Disposition von 1896.
    Da im Zuge der „Neobarockisierung“ insbesondere in der 1950er-Jahren Pfeifen rigoros abgesägt wurden und hunderte Pfeifen vorwiegend mit sanften Klängen entfernt wurden, bestand die Aufgabe darin, die nun fehlenden Pfeifen wiederherzustellen und auf die originalen Standorte zu setzen. Bereits 2014 erfolgten auf Initiative eines Orgelvereins erste erfolgreiche Rückführungen. Dieser Weg konnte nun fortgesetzt werden, sodass die Hauptorgel nun wieder ganz dem originalen Klangbild der Orgelbaufirma Emil & Bruno Jehmlich aus dem Jahre 1896 entspricht. Dazu wurden viele Pfeifen aus Zinn und Holz neu gebaut und Mensuren von Vergleichs-Instrumenten wie z.B. der Jehmlich-Orgel in St. Johannis zu Lößnitz (1899) aufgenommen. Einige wenige Register konnten aus dem Bestand der ausgelagerten Schmeißer-Orgel in St. Jacobi zu Döbeln (1905) genutzt werden.
  • (3) Erweiterung der Disposition
    Die Klangpalette der Hauptorgel konnte um vier Register erweitert werden: Contraposaune 32‘ (Pedal), Doppelflöte 8‘, Celesta 8‘, Traversflöte 4‘ (alle Manual). Damit ergeben sich für die Organisten wesentliche neue Optionen im konzertanten als auch liturgischen Musizieren.
  • (4) Erweiterung um eine elektrische Traktur
    Die Frage, auf welchem Weg die Verbindung zwischen Taste und Pfeife hergestellt wird, gehört im Orgelbau zu den wichtigsten. Die Hauptorgel von 1896 wurde als Kind ihrer Zeit mit einem - für die damalige Zeit - hochmodernen pneumatischen System ausgestattet. Die Luft dient hierbei als Botschafter: Mit Tastendruck wird sie als Information „Ein/Aus“ durch Bleirohre geschickt. Ein wahrlich raffiniertes, und unter heutigen Orgelbauern zugleich gefürchtetes System. Bringt es doch trotz seiner spieltechnischen Vorteile mehr Tücken als die klassische mechanische Traktur mit sich. Aus Gründen des Denkmalschutzes wurde das pneumatische System inklusive des alten Spieltisches (1930, Alfred Schmeißer) mit all seinen Funktionen erhalten. Jedoch durfte die Hauptorgel eine zusätzliche, vollumfänglich elektrische Traktur erhalten. Diese ermöglicht mittels neuer Relais an allen Windladen eine Anbindung an den neuen Generalspieltisch. Die Voraussetzungen als Ankerpunkt der 360° Klangwelt sind damit genauso erfüllt worden, wie die Ansteuerung der neuen Zusatzwindladen (s. Aspekte 1 und 2).
  • (5) Weitere Maßnahmen zum Erhalt der Hauptorgel
    Um der alten „Seele“ der 360° Klangwelt ein weiterhin langes Leben zu sichern, wurden einige Vorkehrungen getroffen. Hierzu zählen zusätzliche Laufstege zur besseren Wartung des Instrumentes, die Verbesserung der Durchlüftung innerhalb des Instrumentes sowie eine geänderte Windnutzung des Balges.

Standort Nord | Die Altarorgel

Das Herzstück der Orgelanlage bildet die Altarorgel. Prägt doch die emotionale Botschaft des Altargemäldes mit der Erkenntnis Jesu‘ Auferstehung am Ostermontag den Kirchenraum sehr. Die Idee war, die Aussagekraft des Gemäldes von Friedrich Gonne (Dresden, 1845) auch in Tönen darstellen zu können. Die Altarorgel befindet sich im Rücken des gut sechs Meter hohen Altares und stellt sich aufgrund Ihrer Unsichtbarkeit ganz in den Dienst des Bildes. Sie ist mit über 1.000 Pfeifen ausgestattet und verfügt über hoch expressive Möglichkeiten: Das Gehäuse verfügt oben, links und rechts über Schwell-Jalousien, über die der Organist beim Öffnen oder Schließen den Klang anschwellen und verschwinden lassen kann. Pfeifenreihen wie die „Vox angelica“ sind schwebend gestimmt, die „Viol d’orchestre“ hat einen eigenen Balg mit höherem Winddruck erhalten. Register wie Englischhorn, Paradiesflöte, Harmonia aethera lassen die Altarorgel weniger nach Orgel, sondern mehr nach einem Orchester klingen, welches auch die zartesten und sanftesten Möglichkeiten bereithält. Die sinfonische Ästhetik der Hauptorgel von 1896 wird dabei aufgegriffen und weitergedacht.

Filialwerke West & Ost

An den Seitenwänden des Altarplatzes entdeckt der aufmerksame Besucher schnell die zwei neuen, kleinen Filialwerke in Schwalbennest-Bauweise. In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz sind zwei Orgeln entstanden, die optisch keine Aufmerksamkeit erhaschen, sondern sich elegant und hochwertig in die Innengestaltung einfügen. Mit Röhrenglocken aus Messing (Ost) und glänzenden Zinnpfeifen (West) stehen sich die Prospekte gegenüber. Glockentöne und Panflöten-Klänge erweitern das musikalische Spektrum der 360° Klangwelt erheblich.

Emporenboden West & Ost

Als fünfter und sechster Standort fungieren die beiden Emporenböden. Die Hohlkammern wurden von der Zimmerei Reinhard Arnold (Erdmannsdorf) zugänglich gemacht und mit einer zusätzlichen Dielung ausgestattet, auf der insgesamt 43 große Basspfeifen aus Holz waagerecht Platz gefunden haben. Sie sorgen nicht nur für das klangliche Fundament, sondern nehmen in ihrer Namensgebung „Vulkanbass“ Bezug auf die vulkanischen Aktivitäten vor mehr als 10 Millionen Jahren. Porphyr-Gestein, welches gemeinsam mit Schülern des Augustusburger Gymnasiums am Schloss-Steinbruch abgebaut wurde, wird thematisch passend für die Beschwerung der Blasebälge genutzt. Die Pfeife des tiefsten Tones - des sogenannten „Gehörlosenregisters“ - ist über 8 Meter lang und kann über ein Sichtfenster bei Führungen ebenso bewundert werden, wie das Akkordeon-Register, welches hinter den Pfeifen noch Platz gefunden hat und ebenso über den neuen Generalspieltisch ansteuerbar ist.

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